Richtlinien-Änderung: Amazon verbietet Rezensionen im Rahmen von Produkttests

Für manche Händler dürfte das ein Schock sein: Amazon verbietet ab sofort Produkttests zur Generierung von Rezensionen. Bisher durften Händler ihre Produkte kostenlos oder vergünstigt an Tester abgeben um im Gegenzug eine Rezension auf Amazon zu erhalten. Konform mit den Richtlinien von Amazon war das unter der folgenden Bedingung: Die Produkttester mussten in der Rezension vermerken, dass sie das Produkt kostenlos oder vergünstigt und im Gegenzug für ihre Rezension erhalten hatten. Mit seiner aktuellen Richtlinienänderung verbietet Amazon aber auch das und schiebt Produkttest einen Riegel vor. Ausgenommen von dieser Änderung der Richtlinien sind nur Produkttests über das Amazon-eigene Vine Programm.

Die Änderung der Richtlinien gilt dabei nur für zukünftige Testrezensionen, bereits abgegebene Rezensionen werden nicht betroffen sein. Das Verbot gilt vorerst außerdem nur für die USA, wie so oft werden die Änderungen der Richtlinien aber schnell auch auf andere Länder ausgerollt werden, so dass noch dieses Jahr auch in Deutschland damit zu rechnen ist. Auch deutsche Händler sollten sich also darauf einstellen, dass sie bald keine Rezensionen mehr über Produkttests generieren können.

Warum verbietet Amazon ab sofort Testrezensionen?

Das Verbot ist aus Sicht von Amazon vor allem aus zwei Gründen nachvollziehbar, die in einer neuen Studie von Reviewmeta nochmal belegt wurden:

  • Die Anzahl von Testrezensionen hat über die letzten Monate stark zugenommen.
  • Die Testrezensionen sind im Schnitt positiver bzw. „zu positiv“ und können dem Kunden ein verzerrtes Bild vom Produkt bieten

Im Ergebnis haben die Rezensionen auf Amazon über die letzte Zeit an Glaubwürdigkeit verloren, wie auch an diversen Stellen in der Presse berichtet wurde (wie z.B. hier bei Chip). Amazon möchte durch das Verbot also sicherstellen, dass das Einkaufserlebnis seiner Kunden nicht beeinträchtigt wird und das Vertrauen der Kunden in die Bewertungen und Amazon als Plattform nicht verloren geht.

Hier die Ergebnisse der Studie von Reviewmeta nochmal im Detail:

Die Anzahl von Testrezensionen hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen

Seit 2015 gab es einen starken Anstieg von Rezensionen, die im Rahmen von Produkttests verfasst wurden. Wie man in der Grafik von Reviewmeta zu neu abgegebenen Rezensionen sehen kann, sind mittlerweile über 50% der neu abgegebenen Rezensionen von Produkttestern (hier „Incentivized“ genannt und in orange dargestellt).

Quelle: Reviewmeta

Testrezensionen sind im Schnitt deutlich positiver als normale Rezensionen

Wie in der Studie deutlich wird, sind die Testrezensionen im Schnitt außerdem deutlich positiver: Während der Schnitt bei normalen Rezensionen 4,36 Sterne ist, vergeben Tester im Schnitt 4,74 Sterne. Dieser Unterschied von 0,38 Sternen erscheint vielleicht im ersten Moment nicht sehr groß. Wenn man sich aber überlegt, dass Produkte auf Amazon mit durchschnittlich 4,4 Sternen generell einen relativ guten Bewertungsschnitt haben, dann wird klar, dass eine Verbesserung von 0,38 Sternen leicht den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen Produkt und einem Produkt mit Top-Bewertung ausmachen kann.

Quelle: Reviewmeta

Fazit

Durch das Verbot von Testrezensionen wird es für Händler gerade auch für neue Produkte ab sofort schwieriger an Bewertungen zu kommen. Dass Amazon im eigenen Interesse und im Interesse seiner Kunden an einem gewissen Punkt auf die Testrezensionen reagieren würde ist aber nachvollziehbar und war abzusehen. Obwohl wir oft von unseren Kunden gefragt wurden, ob wir nicht ein Produkttest-Feature zur Generierung von Rezensionen anbieten können, haben wir uns deshalb bewusst dagegen entschieden.

Konstantin Pannicke

About Konstantin Pannicke

Konstantin Pannicke war der zweite Mitarbeiter bei Marketplace Analytics und ist ausgewiesener Amazon Experte. Er führt regelmäßig Experimente durch um den Amazon Rankingalgorithmus zu knacken und veröffentlicht die Ergebnisse dazu auf unserem Blog. Nebenbei hilft er unseren Nutzern über unseren Chat bei sämtlichen Fragen zur Amazon Optimierung oder unserer Software. Vor Marketplace Analytics hat er bei diversen Onlineshops gearbeitet - u.a. in der Amazon Optimierung.

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